70 000 Fundstücke von krassen Artefakten
2026-02-08 - 06:08
OG-Archäo-Nerd Georg Malin, ausgebildeter Bildhauer und Maler, hat von 1947 bis 1952 in Zürich und Fribourg History, Art History, Archäologie und Philosophie studiert (Dr. phil.) und danach massiv in Liechtensteins Archäo-Game mitgemischt. Er leitete Grabungen in Nendeln, Bendern, Eschen und Balzers, dokumentiert u. a. im Urkundenbuch Band 4/I und mehreren HVFL-Jahrbüchern. Devotionalien im Deep Dive Ein HVFL-Sonderdruck listet 35 Funde vom Kirchhügel Bendern – Devotionalien wie Rosenkränze, Kreuze, Gnadenpfennige – und zeigt private Frömmigkeit von 1636 bis ins 19. Jahrhundert. Georg Malin schrieb die Einführung, den Katalog erstellte Werner-Konrad Jaggi. Dessen Fazit: «Der Fund von Bendern gibt uns viele Auskünfte über Frömmigkeitsformen der Barockzeit, über die Wallfahrtsziele und über die im Volke besonders verehrten Heiligen.» Big Data im Boden Sarah Leib, Leiterin Archäologie, feiert im «Vaterland» die über 70 000 Funde (1968–2020): «Dass wir über so viele Funde verfügen, verdanken wir den Ausgräbern unter der Leitung von Georg Malin, die die materiellen Hinterlassenschaften, ohne diese vorher auszusortieren oder zu gewichten, aufbewahrt haben.» Römer-Drama und Rhein-Mode In Balzers zeigte sich beim Aushub eine zerstörte römische Siedlung, laut Malin wohl gekillt von Rhein-Fluten: «Dies zeugt von Überschwemmungen, welche die Region ab der Spätantike heimsuchten.» Römer-Remains tauchten auch in Schaanwald, Mauren und Nendeln auf; dort wurde die «Römervilla» seit 1893–1896 sowie bei Nachgrabungen 1973–1975 weiter freigelegt. Heritage vs. Highspeed-Traffic Bei den Pfrundbauten Eschen legte Malin 1974 Fundamente frei – parallel zum politischen Streit um Abriss oder Erhalt. Als die Denkmalschutzkommission 1965 gegen den Erhalt war, intervenierte Malin beim Staat: «Würde das Pfrundhaus entfernt, um eine schnittige Kurve für den rasanten Innerortsverkehr zu erreichen, ginge Wesentliches in der Dorfkerngestaltung verloren. Die wenig schöne Kirche stünde nackt da, und das Unvermögen ihrer Erbauer würde überlaut.» In der Volksabstimmung retteten nur fünf Stimmen das Gebäude und sicherten die Renovation. Zum Originalartikel