Gleichstellung stoppt im Kinderzimmer
2026-02-23 - 09:35
Study-Setup: Kinderstrafe 2.0 Das Amt für Statistik und die Uni St. Gallen haben erstmals berechnet, wie hart die sogenannte „Kinderstrafe“ Mütter in Liechtenstein trifft. Verglichen wird die Erwerbsbeteiligung von Müttern und Vätern in den zehn Jahren nach dem ersten Kind. Ausgangslage: Über 50 Prozent der Liechtensteinerinnen haben einen Hochschulabschluss und sind oft besser qualifiziert als Männer – bis zur Geburt. Karriere-Crash nach Kind Nummer drei Je mehr Kids im Game, desto mehr Drop bei den Müttern: Ein Kind bedeutet minus 37 Prozent Beschäftigungsgrad im Vergleich zum Vater, zwei Kinder minus 63 Prozent, ab drei Kindern liegt die Lücke bei 77 Prozent. Väter treten nicht kürzer, bei drei oder mehr Kindern arbeiten sie sogar mehr, die klassische Rollenverteilung „er verdient das Geld, sie hütet das Nest“ erlebt ein Comeback. Wer bremst wie stark? Über-30-Mütter und verheiratete Frauen reduzieren stärker. Einheimische Frauen verbuchen eine «Kinderstrafe» von 67 Prozent, Mütter mit ausländischem Pass «nur» 38 Prozent. Wunschbild vs. Real-Life-Setup Eine Umfrage zeigt: Eltern wollen eigentlich partnerschaftliche Betreuung und wenig Fremdbetreuung. „Fast 70 Prozent der Väter fänden es ideal, wenn ihre Partnerin die Kinder mindestens drei Tage die Woche betreut. Umgekehrt erwarten aber nur acht Prozent der Frauen eine solch hohe Betreuungsleistung von ihrem Mann.“ Tradition und Erwartungen führen dazu, dass Mütter zur Hauptbetreuerin «gedrängt» werden. Teilzeit als Hidden Trap 2000 arbeiteten 49,2 Prozent der Mütter mit Kindern unter zehn Jahren überhaupt bezahlt, heute 72 Prozent. Das Pensum bleibt jedoch low. Dauerhafte Teilzeit wird zur «Falle»: weniger Lohn, weniger Beförderungen, weniger Chancen auf Führung und am Ende tiefere Renten. Fazit der Analyse Die Zahlen zeigen: Gleichberechtigung scheitert nicht an Schule oder Uni, sondern an der Vereinbarkeit von Familie und Job. „Die Autoren schliessen Diskriminierung zwar nicht aus, die Ergebnisse legen jedoch nahe, dass potenzielle Diskriminierung in hohem Masse über die Auswirkungen von Kindern wirkt.“ Ein Massnahmenkatalog fehlt, die Studie liefert vor allem Data für kommende politische Debatten. Zum Originalartikel